Masking: Wenn du jahrelang eine Rolle spielst und es nicht mal merkst
Masking bei ADHS heißt: Du versteckst, wie es in dir aussieht, damit du von außen funktionierst. Ich habe das jahrelang gemacht. Richtig gut sogar. So gut, dass ich selbst nicht mehr wusste, wo die Rolle aufhört und ich anfange.

Wie Masking bei mir aussah
- Im Meeting nicken, obwohl ich seit fünf Minuten nicht mehr folgen kann.
- Drei Wecker und fünf Post-its, damit niemand merkt, wie schwer mir Termine fallen.
- Lachen, wenn ich wieder etwas vergessen habe. Lieber die Chaotin sein als zugeben, dass es mich stresst.
- Vor jedem Kundentermin im Kopf das Gespräch durchspielen. Mehrmals.
Von außen sah das nach einer Frau aus, die alles im Griff hat. Innen war es Dauerarbeit.
Der Preis dafür
Masking kostet Energie. Jeden Tag. Abends war ich so platt, dass ich nur noch auf dem Sofa liegen konnte. Ich dachte, ich bin halt nicht belastbar. Heute weiß ich: Ich habe den ganzen Tag doppelt gearbeitet. Einmal am Job. Einmal an der Fassade.
Das Sofa-Foto hier ist mein Gegenprogramm. Ohne Make-up, ohne Rolle. So sieht Feierabend bei mir aus.

Wie ich die Maske Stück für Stück abnehme
Nicht auf einmal, das wäre auch nicht klug. Masking hat dich geschützt, oft über viele Jahre. Ich fange klein an:
- Ich sage im Meeting: Kannst du das kurz wiederholen? Ohne Ausrede dahinter.
- Ich plane Pausen nach Terminen ein, statt den nächsten direkt dranzuhängen.
- Ich erzähle Menschen, denen ich vertraue, von meiner Diagnose.
Und ich schreibe hier darüber. Das ist für mich der größte Schritt. Wenn du dich in diesem Text wiedererkennst: Du bist nicht schwach. Du bist müde, weil du zu lange eine Rolle gespielt hast.
Häufige Fragen
Was ist Masking bei ADHS?
Masking heißt, Symptome und Schwierigkeiten zu verstecken, damit man nach außen funktioniert. Zum Beispiel nicken, obwohl man nicht mehr folgen kann, oder Chaos mit Humor überspielen.
Warum macht Masking so müde?
Weil du doppelt arbeitest: einmal an der Aufgabe selbst und einmal an der Fassade. Diese Daueranstrengung zeigt sich oft abends als komplette Erschöpfung.
Betrifft Masking vor allem Frauen?
Masking kommt bei allen Geschlechtern vor. Viele Frauen lernen aber früh, sich anzupassen, und werden deshalb oft später diagnostiziert.
Wie kann ich mit Masking aufhören?
Schritt für Schritt. Kleine ehrliche Momente helfen, etwa nachfragen statt nicken oder Pausen nach Terminen einplanen. Unterstützung durch Fachleute macht den Weg leichter.

